ESG

03.6 - Anforderungen an Qualitätsberichte

03/2022

03.6.01 Woher kommt die Bezeichnung „Qualitätsbericht“?

Der Akkreditierungsrat hat die Bezeichnung „Qualitätsbericht“ in seinem Beschluss „Berichtspflichten für systemakkreditierte Hochschulen“ vom 24.09.2018 eingeführt, um Verwechslungen zwischen den unterschiedlichen Berichtstypen innerhalb des Akkreditierungssystems zu vermeiden. Im Unterschied zu den Akkreditierungsberichten, die in der Programmakkreditierung gemäß § 24 Abs. 3 und 4 MRVO von den Agenturen bzw. den Gutachterinnen und Gutachtern (auf Grundlage des vom Akkreditierungsrat vorgegebenen Rasters) erstellt werden, handelt es sich bei den von den systemakkreditierten Hochschulen zu veröffentlichenden Berichten um so genannte Qualitätsberichte. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass für die Berichte in der Programmakkreditierung und für die Berichte in den internen Verfahren systemakkreditierter Hochschulen unterschiedliche Anforderungen gelten. Insbesondere sind systemakkreditierte Hochschulen ausdrücklich nicht an die Nutzung des vom Akkreditierungsrat vorgegebenen Berichtsrasters gebunden.

 

03.6.02 Aus welchen Vorgaben der Musterrechtsverordnung leitet sich die Pflicht zur Veröffentlichung von Qualitätsberichten ab?

Die Vorgaben zur Veröffentlichung der Akkreditierungsergebnisse sind in § 18 Abs. 4 und § 29 der Musterrechtsverordnung (MRVO) geregelt und stehen im Einklang mit den Anforderungen auf europäischer Ebene, die in Ziffer 2.6 der European Standards and Guidelines definiert sind.

Gemäß § 29 MRVO muss der Akkreditierungsrat seine Akkreditierungsentscheidungen und die zugehörigen Akkreditierungsberichte veröffentlichen. Dies gilt, wie es in der Verordnung weiter heißt, für interne Akkreditierungsentscheidungen systemakkreditierter Hochschulen entsprechend. Das bedeutet:
Systemakkreditierte Hochschulen müssen zum einen ihre internen Akkreditierungsentscheidungen und zum anderen die zugehörigen (Qualitäts-)Berichte veröffentlichen. Somit wird die Veröffentlichungspflicht – wie es in der Begründung zu § 29 MRVO heißt – auf die internen Akkreditierungsentscheidungen systemakkreditierter Hochschulen erweitert. In § 18 Abs. 4 MRVO wird näher dargestellt, in welcher Weise die Veröffentlichung zu erfolgen hat: Die Hochschule informiert die Öffentlichkeit über die auf der Grundlage des hochschulinternen Verfahrens erfolgten Akkreditierungsentscheidungen und stellt dem Akkreditierungsrat die zur Veröffentlichung nach § 29 erforderlichen Informationen – mithin auch einen (Qualitäts-)Bericht – zur Verfügung.

 

03.6.03 Welche Funktion sollen Qualitätsberichte erfüllen?

Die Veröffentlichung der Akkreditierungs- bzw. Qualitätsberichte dient sowohl in der Programmakkreditierung als auch in den internen Verfahren systemakkreditierter Hochschulen der Transparenz: Studieninteressierte, Studierende, potenzielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie die interessierte Öffentlichkeit können sich auf Grundlage der öffentlich zugänglichen Berichte ein Bild von dem zugrundeliegenden Verfahren, den Begutachtungsergebnis-sen und den ggf. ergriffenen Maßnahmen zur Weiterentwicklung eines Studienprogramms machen.

Nun müssen Qualitätsberichte – je nach Ausgestaltung des hochschulinternen QM-Systems – nicht unbedingt als Grundlage für eine Akkreditierungsentscheidung oder als zentrales Feedback-Instrument dienen, wie dies bei den Akkreditierungsberichten in der Programmakkreditierung der Fall ist. Das bedeutet: Qualitätsberichte können eine Funktion (oder auch mehrere) innerhalb des QM-Systems einer systemakkreditierten Hochschule haben, sie müssen es aber nicht. Ebenso gut kann ein Qualitätsbericht ausschließlich dazu dienen, Inhalt und Ergebnis des internen Akkreditierungsverfahrens nach außen hin zu dokumentieren.

 

03.6.04 Werden Qualitätsberichte nur im Falle von QM-Systemen erwartet, die die Programmakkreditierung nachbilden?

Ausdrücklich nein. Es gilt, was der Akkreditierungsrat in seinem Beschluss „Hinweise für Qualitätsberichte systemakkreditierter Hochschulen“ vom 17.09.2019 festgehalten hat: Systemakkreditierten Hochschulen soll eine Form der Berichtslegung ermöglicht werden, die der individuellen Ausgestaltung ihrer QM-Systeme Rechnung trägt. Es liegt auf der Hand, dass Qualitätsberichte im Fall von QM-Systemen, die beispielsweise ein kontinuierliches Studiengangsmonitoring („begleitendes Verfahrensmodell“) vorsehen, in der Regel anders aufgebaut sein dürften als solche, die auf der Grundlage eines an der Programmakkreditierung orientierten Verfahrensmodells erstellt werden.

Da ein Studiengang das Siegel des Akkreditierungsrates nur dann tragen darf, wenn er nachgewiesenermaßen alle formalen und fachlich-inhaltlichen Kriterien erfüllt, muss dem Qualitätsbericht allerdings entnommen werden können, auf welche Weise und mit welchem Ergebnis dieser Nachweis erfolgt ist. Bei begleitenden Verfahrensmodellen kann es daher ggf. sinnvoll sein, im Qualitätsbericht ausführlicher über die Funktions- und Verfahrensweise des QM-Systems zu informieren und die Angaben zur Weiterentwicklung des betreffenden Studiengangs unter Berücksichtigung der zugrundeliegenden Mechanismen – u.a. der Bewertungen durch Externe gemäß § 18 Abs. 1 MRVO – zu ergänzen.

 

03.6.05 Warum hat der AR (zusätzlich zu den Vorgaben in der Musterrechtsverordnung) Hinweise für Qualitätsberichte systemakkreditierter Hochschulen beschlossen?

Im Unterschied zu dem vergleichsweise standardisierten Verfahren der Programmakkreditierung zeichnen sich die von den systemakkreditierten Hochschulen implementierten internen Verfahren durch eine große Vielfalt aus. Daher muss den systemakkreditierten Hochschulen eine Form der Berichtslegung ermöglicht werden, die der individuellen Ausgestaltung ihrer QM-Systeme Rechnung trägt, die aber zugleich zeigt, dass die Erfüllung der formalen und fachlich-inhaltlichen Kriterien für den jeweiligen Studiengang nachgewiesen wurde.

Die in § 29 MRVO enthaltene Regelung, wonach die für den Akkreditierungsrat geltende Pflicht zur Veröffentlichung seiner Akkreditierungsentscheidungen und Akkreditierungsberichte für systemakkreditierte Hochschulen entsprechend gelte, ist sehr offen formuliert und führte in der Vergangenheit zu zahlreichen Nachfragen systemakkreditierter Hochschulen.

Um Missverständnisse zu vermeiden und zugleich eine konsistente Veröffentlichungspraxis innerhalb des Akkreditierungssystems zu gewährleisten, hat es der Akkreditierungsrat daher für notwendig erachtet, eine Auslegung der grundlegenden §§ 18 Abs. 4 und 29 Satz 3 MRVO in Form des Beschlusses “Hinweise für Qualitätsberichte systemakkreditierter Hochschulen“ vom 17.09.2019 zu verabschieden.

07.2 - Was regelt der „European Approach for Quality Assurance of Joint Programmes“?

06/2018, geändert 07/2018

Der „European Approach for Quality Assurance of Joint Programmes“ (European Approach, auf Deutsch „Europäischer Ansatz zur Qualitätssicherung von Joint Programmes“) wurde von den Wissenschaftsministern des Europäischen Hochschulraums im Mai 2015 unterzeichnet; siehe hier. Er sieht für Joint Programmes die Möglichkeit der Anerkennung der Bewertungen ausländischer Qualitätssicherungsagenturen vor, vorausgesetzt

  • diese sind im europäischen Agenturenregister EQAR gelistet,
  • die Begutachtung erfolgt nach den im European Approach normierten, an den Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area (ESG) orientierten Akkreditierungskriterien und
  • die Agentur wendet die im European Approach niedergelegten besonderen, auf Joint Programmes passenden Verfahrensregeln an.

Joint Programmes im Sinne des European Approach verstehen sich als integriertes Curriculum, das gemeinsam von verschiedenen Hochschulen aus EHEA-Ländern koordiniert und angeboten wird und zu Doppel-/Mehrfach-Abschlüssen oder einem gemeinsamen Abschluss führt.
Zu beachten ist, dass es sich bei dem European Approach nicht um EU-Recht bzw. um unmittelbar in Deutschland geltendes Recht handelt. Damit gilt er nur, insoweit er in die nationalen Rechtsordnungen übernommen wird (siehe dazu auch Frage 7.4).

16.6 - Welche Bedeutung haben die Qualifikationsziele eines Studiengangs für die Akkreditierung?

03/2021

Externe Qualitätssicherung von Studium und Lehre basiert seit jeher auf der Grundlage, dass die Verantwortung für Qualität und Qualitätsentwicklung von Studiengängen bei den Hochschulen selbst liegt. Dieses Diktum findet sich an exponierter Stelle sowohl im Studienakkreditierungsstaatsvertrag (Art. 1 Abs. 1) als auch den European Standards and Guidelines als europäischem Referenzrahmen (ESG 2.1).

Für das konkrete Programmakkreditierungsverfahren sowie die interne Studiengangsakkreditierung im Rahmen der Systemakkreditierung heißt das, dass sich die Bestimmung der inhaltlichen Qualität von Studium und Lehre im Einzelfall primär aus von der Hochschule selbst definierten Qualitätszielen ergibt. Oder noch konkreter: Die Hochschule definiert für jeden Studiengang Qualifikationsziele und wird an deren Umsetzung gemessen.

Die Qualifikationsziele sind somit eine wesentliche Grundlage für die gesamte fachlich-inhaltliche Bewertung und damit von zentraler Relevanz.
Inwieweit die Qualifikationsziele curricular (d.h. auf der Ebene der Module) umgesetzt werden, ist eine weitere Kernfrage der Akkreditierung, die jedoch in der Darstellung von der Beurteilung der in einem Studiengang insgesamt angestrebten Qualifikationsziele analytisch abzugrenzen ist.